Nicht gehackt - abgeschaltet: Zeit für Ihre digitale Souveränität!

Nicht gehackt, sondern abgeschaltet: Digitale Abhängigkeiten sind ein unterschätztes Sicherheitsrisiko. Warum IT-Sicherheit heute mehr als Technik braucht – und wie digitale Souveränität konkret gelingen kann.

Nicht gehackt - abgeschaltet: Zeit für Ihre digitale Souveränität!
Digital Independence Day


4. Januar 2026 ist der erste "Digital Independence Day".

Warum digitale Abhängigkeit zu US-Monopolisten ein Risiko für Sie ist – und was Sie ganz einfach dagegen tun können.

Die Grundprinzipien der Informationssicherheit sind:

  1. Vertraulichkeit: Informationen sind nur für Berechtigte zugänglich.
  2. Integrität: Informationen sind korrekt und unverändert.
  3. Verfügbarkeit: Informationen stehen bei Bedarf zur Verfügung.

Also klar: Es geht darum, dass gespeicherte Informationen verfügbar, richtig und nur den berechtigten Personen zugänglich sind.
Jetzt häufen sich leider in letzter Zeit Nachrichten, nach denen es um diese Werte nicht gut bestellt ist: US-Behörden dürfen unter bestimmten Bedingungen (auf deren rechtlichen Grundlagen) Zugriff auf alle Informationen verlangen, die von US-amerikanischen Firmen gespeichert werden, egal, wo genau die Daten gespeichert sind. Das Argument "die Daten liegen in europäischen Rechenzentren" ist brüchig und damit ist es mit der Vertraulichkeit der Daten nicht weit her, wenn sie bei einem amerikanischen Unternehmen gespeichert sind.

Entzug von Benutzerkonten als Waffe

Und dann wird aktuell noch das berichtet: Mitarbeitern des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag wurden die Microsoft-Konten entzogen, weil sie eine Anklage gegen den israelischen Ministerpräsidenten auf den Weg gebracht haben, man prüft in den USA ähnliche Sanktionen gegen deutsche Beamte, die eine Einstufung der AfD als "gesichert rechtsextremistisch" bearbeiten - und das wird wohl erst der Anfang sein. Über diese Fälle wird aktuell berichtet, konkrete Beweise stehen aus - aber wenn das so stimmt, dann wird gezielt Einfluß auf Entscheidungen in Europa und Deutschland genommen, um eigene Ziele zu verfolgen. Man kann das als eine Form digitaler Gewalt verstehen.
Man möge sich mal vorstellen, wie das dann für den Einzelnen und gegebenenfalls seine Familie aussieht:

  • E-Mails von Konten bei Microsoft, Google, Apple: Weg!
  • Amazon-Konto: Weg!
  • Urlaub buchen bei booking.com: Weg!
  • Dateien, die auf OneDrive, iDrive oder GoogleDrive gespeichert sind: Weg!
  • Kennwörter, die in 1Password gespeichert sind: Weg!
  • Kreditkarte: Vermutlich Weg!
  • Domains, die bei NameCheap oder GoDaddy registriert sind: Weg!

Die Konsequenzen sind für Privatpersonen sehr ungut, für Unternehmen potentiell katastrophal und nicht akzeptabel.

Lösung: Der Digital Independence Day

Ich finde, man sollte an der Stelle schnell etwas tun, denn wenn der Fall eintritt, ist es zu spät. Unsere Regierungen bleiben beim dem Thema langsam (Gaia-X, BundesCloud) bis kontraproduktiv, warum auch immer.

Jede Privatperson, jeder Unternehmer muss das für sich selbst in die Hand nehmen.

Auf dem 39C3, dem jährlichen Kongress des Chaos Computer Club, wurde das Thema in einem schönen Vortrag von Marc-Uwe Kling aufgegriffen: https://www.youtube.com/watch?v=t8cTQnB6leI (Dauer: Fast eine Stunde, ist aber unterhaltsam, wenn man seine Känguru-Chroniken mag) und mündet in die Initiative Digital Independence Day, die ich ausdrücklich unterstütze und empfehle - die Website liefert auch einige konkrete Rezepte für die Migration von Diensten und Programmen.

Ich hab's getan: Hat (fast) gar nicht weh getan


Um sich selbst aus dieser Schlinge zu befreien, ist der erste Schritt eine Bestandsaufnahme der genutzten US-amerikanischen Dienste, z.B:

  • Microsoft 365
  • Google Drive
  • 1Password
  • Apple Dienste
  • E-Mail Konto
  • Domain-Registrierungen

Damit kann man sich selbst eine Liste der zu ersetzenden Dienste machen. Dabei hilft oft eine Recherche, denn häufig ist gar nicht so klar, ob ein Unternehmen in US-Hand ist. Beispiel booking.com: Die geben in Ihrem Impressum an, eine niederländische Firma zu sein, gehören aber der Booking Holdings, Inc. in den USA - und das ist nur eines von vielen Beispielen.

Domain-Registrierungen habe ich schon vor einiger Zeit zu strato.de umgezogen, war also kein Thema. Meine persönlichen Risiken, auch für tools.kassenklingeln.de und wundersync.de: E-Mail-Konten und Dateiablage bei Google, 1Password, das musste also umgezogen werden.

Erster Versuch: Nextcloud bei IONOS

IONOS bietet eine gehostete NextCloud-Instanz an. Obwohl ich mit IONOS schon sehr gute aber auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe, habe ich mich für einen Versuch dort entschieden. Die Migration ging schnell, aber das wirkte für mich persönlich alles ein wenig hakelig und ungut.

Zweiter Versuch: Proton

Klar, Proton war mir bekannt, aber ich stiess eher zufällig bei der Suche nach einem Ersatz für 1Password wieder auf Proton, denn die bieten mit Proton Pass einen kostenlosen Passwortmanager (den ich für unverzichtbar halte) an. Das nahm ich zum Anlass und habe das Paket "Proton Duo" für 14,99 € pro Monat für zwei Personen gebucht, denn es enthält VPN, Passwortmanager, CloudStorage, Text- und Tabellenbearbeitung und noch ein paar nette Features mehr.
Die Migration der Daten war in weniger als einer Stunde erledigt:

  • Client für Ordnersynchronisation installieren, Dateien in den lokalen Ordner verschieben - synchronisiert automatisch
  • Passwordmanager Erweiterung für den Browser installieren, Daten aus 1Password migrieren
  • Auf dem Handy Proton Drive App installieren - Photos werden automatisch synchronisiert
  • Auf dem Handy Proton Calendar installieren - Termine werden synchronisiert
  • Auf dem Computer die Proton Mail App installiert - Mails laufen flüssig weiter (jetzt sogar signiert)

Zur Sicherheit lasse ich die "alten" Dienste jetzt noch ein oder zwei Monate mitlaufen, denn oft kommen so Kleinigkeiten auf wie "Hui, ich hab' vergessen meine Kontakte zu migrieren" oder es fehlt vielleicht doch noch der ein oder andere Eintrag aus dem "alten" Passwortmanager. Zur Sicherheit also diese Dienste erstmal weiter laufen lassen und erst nach einiger Zeit abschalten.

Fazit: Ois' easy

Der Prozess der Migration war für mich erstaunlich reibungslos und kurz. Am Ende spare ich sogar noch Geld, denn die fertige Lösung ist günstiger als die bisherige und hat dabei noch eine Menge sehr cooler Funktionen.

Das einzige was mich ärgert: Hätte ich schon längst machen können und sollen.

Und jetzt sind Sie dran!

Einfach mal machen! Sonntag Vormittag, Sie haben Zeit. Legen Sie noch heute los und werden Sie digital unabhängig! Auf der Website des Digital Independece Day finden Sie einige einfache Rezepte dazu.

#DigitalIndependenceDay #DIDit #DUTgemacht #notsponsoredbyproton

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